Oi! - Skinheads-Thueringen

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Oi!

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Oi! ist die Bezeichnung für einen Musikstil, der in der Skinhead- und Punkszene viele Anhänger hat.

Ursprung des Begriffs:

Der Ausruf „Oi!“ ist ein englischer Slangausdruck für „Hey“, „Hallo, du da“. Er wird aber auch mit dem englischen Wort Joy (Freude) in Verbindung gebracht, unter anderem wegen der 1981 veröffentlichten Oi!-Kompilation „Strength Thru Oi!“, eine Anlehnung an „Strength through Joy“, die englische Übersetzung von „Kraft durch Freude“ aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Kompilation sorgte damals für einen Skandal; der verantwortliche Musikjournalist Garry Bushell äußerte später, sich nicht bewusst auf diese Parole bezogen zu haben, diese sei ihm damals nicht bekannt gewesen; den Namen habe er an eine EP der Band The Skids angelehnt, deren Sänger Richard Jobson wiederum angegeben habe, sie aus der Autobiographie des Schauspielers Dirk Bogarde entnommen zu haben. Gegen den alternativen Titel „The Oi of Sex“ habe Bushell sich entschieden, weil dieser ihm zu frivol erschienen sei. Aufgrund dieser Kompilation wird die Genrebezeichnung oftmals auf die Parole „Kraft durch Freude“ zurückgeführt, allerdings wurde bereits im Vorjahr die erste Oi!-Kompilation „Oi! The Album“ veröffentlicht. Zudem wird diese „Beweisführung“ auch kritisiert, weil Freude auf Englisch „joy“ und nicht „oi!“ heißt, bei einem eindeutigen Bezug auf die Parole also hätte das Genre „Joy-Musik“ heißen müssen.

Konzertflyer
 

Der Ausruf wurde schon in den 1930er Jahren von britischen Working-Class-Komikern, wie dem Duo Flanagan & Allen, verwendet; das Duo wird sowohl von Bushell als auch von Beale „als erstes belegbares Beispiel für die Verwendung von Oi! als (Cockney-)Ausruf“ zitiert, bei Bud Flanagan handelte es sich um den Sohn jüdischer Flüchtlinge aus Polen. Auch der Titel einer Oi!-Compilation „Oi! Oi! That's yer lot!“ war eigentlich der Erkennungsslogan des Komikers Jimmy Wheeler. Zu den ersten Aufnahmen einer Punkband mit dem Ausruf „Oi!“ gehört die 1977 aufgenommene Originalversion von „Tomorrow’s World“ von Menace; die Band allerdings bezeichnete ihren eigenen Stil damals nicht als Oi!, sondern als Punkrock. Maßgeblich für die Verbreitung des Ausrufs innerhalb der Punkszene war die Band Cockney Rejects verantwortlich, die als erste ein Stück namens „Oi! Oi! Oi!“ schrieb und deren Sänger „Stinky“ Turner Lieder auf diese Weise statt mit „1, 2, 3, 4“ anstimmte.

Merkmale und Entwicklung:

Oi! entstand Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien als eine Art Punkrock für die Kinder der Arbeiterklasse. Sie sahen in dem Erfolg von Bands wie den Sex Pistols oder The Clash eine Kommerzialisierung und den Ausverkauf ihrer Bewegung, die „nach 1977 zu kommerziell, lasch und mittelklassemäßig („arty-farty“) geworden war“. Der Punk der 70er war ein Protest gegen die als aufgeblasen empfundene Rock- und Pop-Superstarkultur und stellte sich als Sprachrohr der Jugend auf der Straße dar. Den Jugendlichen, die nun aber erst ab ca. 1978 begannen, sich für Musik zu interessieren und die die erste Aufbruchstimmung des 76/77er-Punk nicht miterlebt hatten, bemerkten jedoch schnell, dass nur wenige Bands, wie Sham 69, Menace, The Ruts oder UK Subs, das Lebensgefühl der Straße authentisch widerspiegelten, während Bands wie The Clash ihrer Ansicht nach die „street credibility“ fehlte. Unter direktem Einfluss von Bands wie Sham 69, kamen die jungen Musiker in den Bands Angelic Upstarts und Cockney Rejects in die Musikszene. Da sie genau das in ihren Liedern besangen - nämlich Probleme, Spaß, Fußball, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Gewalt - was ihre Zuhörer täglich erlebten, bauten sie sich bald eine große Gefolgschaft auf – und ein Großteil britischer Jugendlicher Ende der 70er/Anfang der 80er waren Skinheads. Diese brachten ihre Version des Punkrock, die damals noch „Streetpunk“ oder „Real Punk“ genannt wurde, in die Skinhead-Kultur. Maßgeblich für die Bezeichnung „Oi!“ waren die Cockney Rejects. Der Sounds-Journalist Garry Bushell nahm sich der Sache an, stellte die Kompilationen „Oi! The Album“ (1980), „Strength Thru Oi!“ und „Carry on Oi!!“ (beide 1981) zusammen und verhalf der Musik so zu Popularität. Unter dem Schlagwort „Oi!“ vereinten sich nun völlig unterschiedliche Musikstile – Punk, Ska/Reggae und Pub Rock. Zudem gab es eine Oi!-Sparte, die viel mit Komik zu tun hatte - von Garry Bushell „punk pathetique“ genannt - bestehend u. a. aus den Bands Splodgenessabounds (wahrscheinlich eine der kommerziell erfolgreichsten Oi!-Bands, ihr Hit „2 Pints of Lager“ stieg 1980 bis auf Platz 7 der UK-Charts), Toy Dolls, Peter & The Test Tube Babies oder Barney Rubble.

Besucher bei einem Oi! Konzert

Oi! zog auch einige der traditionellen Skinheads an, die bisher Reggae, Ska und Soul/Northern Soul bevorzugten. Manche Skins, die den Geist von ’69 („Spirit of ’69“) lebten, sahen die neuen Oi!-Skins nicht als echte Skins an, da diese nun Oi!-Punk bevorzugten und zum Teil mit Vollglatze (die unter traditionellen Skinheads verpönt ist) und 14-Loch-Boots Elemente, die vorher, nicht zum Outfit eines Skins gehörten, dem Style hinzufügten. „Und die viel zu wenigen Skins, die die dürren Jahre von Glam, Rock und Disco überlebt hatten, wollten mit solchen Skins nichts zu tun haben.“ In seinem Bruch mit dem „toten“ Punk liegen u. a die Parallelen des Oi! zum Hardcore.

Zu den bekanntesten britischen Oi!-Bands gehören The Business, Cockney Rejects, Cock Sparrer und Sham 69, die ihre Wurzeln zum Teil schon in den frühen 1970ern haben. Viele der frühen Oi!-Bands, die sich oft noch in den 80ern aufgelöst hatten, formierten sich während des Oi!-Revivals Mitte der 90er wieder.

Oi! in Deutschland:

In den Texten deutscher Oi!-Bands geht es, wie in den Texten ausländischer Bands auch, zumeist um Alkoholkonsum (v. a. Bier), Sex, Fußball, das Dasein als Skinhead oder die Musik selbst. Die oft stattfindende Ästhetisierung aggressiver Verhaltensweisen und die Überhöhung des Alkoholmissbrauchs zu einer Lebenseinstellung werden von traditionellen Skinheads oft belächelt.

Bekanntere deutsche Oi!-Bands waren bzw. sind die frühen Böhsen Onkelz, Herbärds, Die Alliierten, Pöbel & Gesocks und SpringtOifel. Seit Mitte und Ende der 1990er sind unter anderem Bands wie 4 Promille, Rabauken, Volxsturm und Broilers populär geworden. Neben diesen politisch eher neutralen Bands gibt es auch explizit antifaschistische und teilweise sogar als „links“ definierbare Oi!-Bands, wie beispielsweise die Stage Bottles oder Loikaemie. Auch in Deutschland ist Oi! keineswegs ein Phänomen, das auf Skinhead-Kreise beschränkt ist. Zahlreiche Oi!-Bands bestehen aus Punks und Skins, was in der Regel auch für das jeweilige Publikum gilt.

Die Band "Schusterjungs"

Politik:

Spätestens nachdem es 1981 nach einem Oi!-Konzert in Southall, London, zu Ausschreitungen zwischen den Konzertbesuchern und den asiatischen Anwohnern gekommen war, wird Oi! in der Öffentlichkeit und den Massenmedien oft mit Neonazismus assoziiert. Dies ist aber ebenso wenig zutreffend wie die pauschale Gleichsetzung von Skinheads (egal ob traditionell oder Oi!-Skin) mit Rechtsradikalen oder Neonazis.

Tatsächlich hat die Oi!-Szene (wie beispielsweise auch die Skinhead-Szene) ein ähnlich breites Spektrum an politischen Meinungen, wie es in jeder gesellschaftlichen Gruppierung zu finden ist, deren Hauptbetätigungsfeld nicht die Politik ist. Vermutlich herrscht aber auch in der Oi!-Szene eine auffallend große Distanz zu politischen Ideologien, Strömungen und Parteien.

Von Beginn der Oi!-Bewegung an gab es stets sowohl gemäßigte Linke (Mensi von den Angelic Upstarts, zu Beginn der 80er ein glühender Anhänger der britischen Labour Party) als auch Rechte und militante Unpolitische.

Manche Oi!-Bands trafen in ihren Songs klare Aussagen zur Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarktpolitik, in denen sie auf Probleme hinwiesen und sich somit natürlich eindeutig politisch betätigten, ohne sich dabei jedoch in eine politische Ecke drängen zu lassen: „National Employer’s Blacklist“ von The Business (1981) klagt die Praxis einiger Arbeitgeber an, Namen vehementer Vertreter von Arbeitnehmerrechten in einer Liste zu führen und somit deren Einstellung zu verhindern und in „Jobs Not Jails“ von The Gonads (1980) heißt es: „What we want’s the right to work/Give us jobs not jails/Don’t throw us on the scrapheap because your system fails.“

Ein weiteres interessantes Beispiel stellt die Londoner Band Combat 84 dar. Wie in einer im britischen Fernsehen gezeigten Dokumentation über die Band klar wurde, waren Sänger (gemäßigt rechts) und Schlagzeuger (unpolitisch bis gemäßigt links) nur selten einer politischen Meinung. In ihren Liedern stellten sie demzufolge die politischen Standpunkte des Sängers Chubby Chris dar: In „Rapist“ spricht er sich für Todesstrafe für Sexualstraftäter aus („Bring back capital punishment“) und in „The Right to Choose“ für die Stationierung von Cruise-Missile-Raketen in Europa („The right to choose - we want the cruise!“) (beide 1983).

Die Politik-Diskussion und die damit verbundenen Spannungen führten dazu, dass die Oi!-Szene ab Mitte der 80er Jahre zwar sehr vital, aber auch limitiert blieb. Der Weg zur großen Massenbewegung war durch die Medienberichte endgültig verstellt, dafür blieb es im Kern der Szene um so intensiver. Zudem bildeten sich weitere Szenen - unter dem Banner „Rock Against Communism“ eine rechtsextreme/neonazistische, im Gefolge der Funkband The Redskins eine linksextreme und im Zuge des aufkommenden Ska-Revivals eine Skinhead-Reggae-Szene, die vielen Oi!-Anhängern Entwicklungsmöglichkeiten boten und diese wie auch neue Interessierte gern in Ihren Reihen aufnahmen.

1988 sollte das seit den Vorfällen von Southhall erste große Oi!-Konzert in London stattfinden: „Oi! – The Main Event“. Der Veranstaltungsort „Victoria“ mitten in der Londoner Innenstadt fasste etwa 2000 Besucher (die jedoch beim Main Event wegen Behördenauflagen auf 1500 reduziert werden mussten), frühere Konzerte hatten meist in Pubs stattfinden müssen, die mit mehreren 100 Besuchern bereits überfüllt waren. Im Lineup standen u.a. Section 5, Vicious Rumours, The Business, Judge Dread, Angelic Upstarts und ein aus geheim gehaltenen Szene-Persönlichkeiten bestehende, für diesen Auftritt zusammenkommende Formation mit dem Namen Oi!-Allstars. Für damalige Verhältnisse außerst penible Sicherheitsvorkehrungen konnten jedoch ein Debakel nicht verhindern: Obwohl der Abend fast ganz ohne Vorfälle über die Bühne ging, sollte es doch zu einem Auftritt der Allstars nie kommen. Offensichtlich hatte der Veranstalter nicht richtig einschätzen können, dass die Angelic Upstarts durch einen Linksruck in ihrer Einstellung (den sie auch auf ihrem damals aktuellen Album „Blood on the Terraces“ von 1987 vermittelten) die Sympathien eines Teils der Szene verloren hatten - die Bühne wurde gestürmt, die Musiker verjagt und ein Teil des Equipments zerstört. Erst mit einem Konzertabbruch und Räumung der Konzerthalle konnte Schlimmeres verhindert werden. Für Großbritannien hatte dieser durch politische Spannungen in der Szene verursachte Konzertabbruch zur Folge, dass bis heute für Oi!-Bands keine großen Veranstaltungshallen zur Verfügung stehen und die Bewegung nicht mehr ansatzweise große Zuschauer- und Hörermengen erreicht.

Die meisten Oi!-Bands in Deutschland wie auch international haben ihre Meinung in der politischen Mitte orientiert, grenzen sich zum Teil auch explizit gegen den neonazistisch geprägten Teil der Skinhead-Szene ab. Die Grenzen sind jedoch bisweilen fließend, da bei rechtsradikalen bzw. neonazistischen Bands häufig nur der offen propagierte Rassismus mehr oder weniger deutlich zum Themenspektrum hinzutritt.

Gelegentlich bezeichnen rechtsradikale und neonazistische „Skinhead“-Bands ihre eigene Musik ebenfalls als Oi!-Musik oder hören diese Musikrichtung. Daneben hat sich der Begriff RAC (=„Rock against Communism“, eine Reaktion auf den „Rock Against Racism“) als Bezeichnung für rechtsradikalen „Skinhead“-Rock (auch White Noise genannt) in der Szene etabliert.

Quelle: www.wikipedia.de

 
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